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CREATOR'S NOTE

Dimitrij und Alex Schaad

Entgegen weit verbreiteter Meinung weiß man meistens nicht wirklich, wann man die Idee zu etwas hatte. Oder wo. Oder wie sie am Anfang wirklich war. Und wenn man mit dem eigenen Bruder arbeitet, ist es ja schon schwer genug sich überhaupt auf irgendwas zu einigen, ganz zu schweigen von einer Entstehungsgeschichte. Bei “Kacken an der Havel” aber geht das. Ziemlich gut sogar.

Es war der 26. September 2020. Unser Vater wurde 60 und wir haben unseren Eltern eine gemeinsame Reise geschenkt. Mit dem Wohnmobil nach Schwedisch Lappland. 1500 Kilometer von Stockholm bis Abisko. Ganz genau, Abisko. Viel Musik für die Tage auf der Straße und viel Alkohol für die Abende unter Polarlichtern. An besagtem Tag wurden wir übermütig und wollten sehr nah an einem See mitten im Nirgendwo parken, um morgens eine tolle Aussicht zu haben. Wir sind im Sand stecken geblieben und das Drücken aufs Gaspedal hat es noch schlimmer gemacht. Am nächsten Morgen - die Aussicht war leider auch nicht so toll wie erhofft - kam der örtliche Abschlepper. Ein betrunken wirkender alter Schwede mit dicker Nase und einem riesigen Traktor. Stumm und ohne jede menschliche Regung hat er uns aus der misslichen Lage befreit.

“Aus wie vielen beknackten Situationen er schon Leute abgeschleppt haben muss” - hat der eine von uns gesagt. “Oh, oh, Story-Alarm", hat der andere geantwortet. Während der nächsten 500 Kilometer jenseits des Polarkreises haben wir Gedanken hin und hergeworfen und am Ende des Tages stand das Grundgerüst:

Ein erfolgloser Rapper muss zurück in sein verhasstes Heimatdorf Kacken an der Havel, wo er den Abschleppbetrieb seiner Mutter übernimmt, während er versucht, seine Karriere endlich auf Kurs zu bringen.

Wir sind beide Fernsehkinder. Keine Bücher. Keine Skiurlaube. Nur TV. Alles, was wir vor die Augen bekommen konnten. Und das waren erstmal viele Sitcoms über mal mehr und mal weniger funktionale Familie. Vor allem natürlich die goldenen Staffeln 3-9 der Simpsons. Wie konnte etwas gleichzeitig so lustig, so doof und so irre berührend sein - und das in jeder einzelnen Folge? Und dann auch noch unterhaltsam für die ganze Familie.

Dann kamen die Filme. Und je versponnener sie waren, desto glücklicher waren wir. Seltsame Gestalten. Unvorhersehbare Wendungen. Kuriose Welten. Und trotzdem berührend. Paul Thomas Anderson, Charlie Kaufman, Wes Anderson und die Coen Brüder.

Als die Serienidee immer mehr Gestalt annahm, wurde diese Rückbesinnung auf unsere TV-Sozialisierung der Wegweiser. Wir wollten Menschen genauso glücklich machen, unterhalten, zum Lachen bringen und berühren, wie wir unterhalten und berührt worden sind. “Kacken an der Havel” sollte unser Springfield sein. Toni unser erfolgloser Dude. Die Figuren sollten seltsame Kauze werden. Und die Welt schöner, bunter und blöder als die Realität.

Fünfeinhalb Jahre Arbeit später kommt Kacken an der Havel nun endlich raus. Und wir können mit großem Stolz behaupten: Es war das schönste Steckenbleiben unseres Lebens.